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Review von Nightflier Drucken
Geschrieben von Nightflier   
Mittwoch, 16 August 2006, 17:48 Uhr

Bevor ich Singers neuestes Werk mit Lob überhäufe, noch ein wenig Allgemeinwissen.
Superman wurde im Jahre 1933 von Jerry Siegel & Joe Shuster erschaffen. Spätestens seit 1938, als die erste Ausgabe von Action Comics erschien ist der Stählerne in aller Munde. Innerhalb kürzester Zeit erlangte der letzte Überlebende des Planeten Krypton Kultstatus. Nicht nur in Tageszeitungen und seiner eigenen Comicheftreihe erfreute Superman sein Publikum sondern auch im Radio, im Kino und letztlich im Fernsehen und in Form eines Musicals auch auf der Showbühne.

1978 drehte Regisseur Richard Donner den ersten von vier Superman Filmen mit dem bis dato unbekannten Schauspieler Christopher Reeve in der Rolle des Stählernen. Mit dem damals spektakulären Slogan „do you believe a man can fly“ schlug „Superman: The Movie“ wie eine Bombe ein. Da war es nicht weiter verwunderlich das 2 Jahre später die Fortsetzung „Superman II – Allein gegen alle“ folgte. Diesmal allerdings unter der Regie von Richard Lester, der Donner, welcher einige Unstimmigkeiten mit den Produzenten hatte, ablöste. Nichts desto trotz wurde auch das Sequel ein voller Erfolg. In den darauf folgenden Jahren kamen auch noch der weniger erfolgreiche dritte Teil „Superman III - Der stählerne Blitz“ sowie der absolute Superflop „Superman IV – Die Welt am Abgrund“ in die Kinos.

Nun war es lange Zeit still um Superman. Zwar bemühte man sich bei Warner Bros. immer wieder um die Auferstehung des Stählernen. Jedoch wurden diese Bemühungen durch Streitigkeiten und Einfallslosigkeit jäh zunichte gemacht. Nachdem das geplante Superman Projekt Regisseure wie Tim Burton, Bret Rattner und McG verschliss, nahm X-Men Bryan Singer auf dem Regiestuhl Platz um als waschechter Fan, der vor allem Richard Donners Werk von 1978 vergöttert, einen neuen Superman Film der Superlative zu erschaffen.


hieß es kurz nachdem Haupt- und damit Superman Darsteller Brandon Routh gefunden war. Innerhalb kürzester Zeit brachte Singer mit Hilfe der X-Men Drehbuchautoren Dan Harris und Michael Dougherty seine Visionen zu Papier um schnellstmöglich mit den Dreharbeiten zu beginnen.

Nun aber zur eigentlichen Kritik:

Als ich gegen Ende des Jahres 2004 erstmals etwas über die geplante Story hörte war ich sehr skeptisch. Im Gegensatz zu Chris Nolan mit Batman Begins hatte Singer nicht vor, die Superman Mythologie von vorn aufzurollen. Vielmehr plante er eine Art Fortsetzung, die an Superman II anknüpfen sollte. Nach und nach wurden immer mehr Details bekannt und ich fragte mich wie das alles funktionieren soll. Auch als die ersten Bilder des Hauptdarstellers Brandon Routh im modernisierten Superman Kostüm veröffentlicht wurden, hielt meine Skepsis an. Erst im November 2005, als der erste Teaser Trailer veröffentlicht wurde, begann auch ich zu glauben, das Bryan Singer mit Superman Returns einen großen Coup landen wird.

Nun, da wir den 17. August 2006 schreiben, kehrt Superman nach 20 langen Jahren Leinwandabstinenz endlich zurück um der Menschheit seine Dienste zu erweisen.

Am Anfang des Films stellt sich die Frage ob die Welt überhaupt einen Superman braucht. Für den Film kann dies mit einem klaren Ja beantwortet werden, denn Supermans Erzfeind Lex Luthor führt Böses im Schilde und schreckt nicht davor zurück Milliarden von Menschen in den Tod zu führen. Aber auch für den Kinobesucher trifft das zu, denn der Film vermag von Anfang bis Ende zu faszinieren und bietet von allem etwas, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Optisch ist Superman Returns ein wahrer Augenschmaus. Der gesamte Film ist im Retrostil gehalten und verzaubert mit sanften Farbtönen die Sinne der Zuschauer. Die Flugsequenzen sind wie zu erwarten grandios geworden. Neo und Harry Potter sind da schnell vergessen. Auch die restlichen Spezialeffekte können sich sehen lassen.

Die musikalische Untermalung ist natürlich ebenso genial geworden, was nicht weiter verwunderlich ist, zeichnet sich doch neben John Ottmann Altmeister John Williams für das Superman Thema verantwortlich. Auch bei den restlichen, allesamt neuen Stücken durfte Ottman sich am Original bedienen. Herausgekommen ist dabei ein durch und durch gelungener Soundtrack.

Einzig und allein die Story vermag nicht immer zu überzeugen, ist sie doch sehr einfach gehalten und erinnert Streckenweise ans Original. War es 1978 zu Beginn der abstürzende Helikopter, ist es heute eine Boeing 777 die das neueste Space Shuttle Huckepack trägt. Waren es damals Atomraketen, ist heute ein kryptonischer Kristall für die Planierung neuer Kontinente zuständig. Von vielen Skeptikern im Vorfeld bemängelt (auch von mir) wurde die Tatsache das Lois in Superman Returns ein Kind haben wird. Entgegen aller Befürchtungen wirkt sich das auf den Film in keinster Weise negativ oder gar nervig aus. Leider fielen viele Szenen dem Schnitt zum Opfer. So müssen wir auf die mehrminütige Return to Krypton Sequenz am Anfang des Filmes verzichten. Viel schlimmer stieß mir aber auf, das während Clarks Flashback auf der Kentfarm Szenen weggelassen wurden, die diesen aufgelöst und wesentlich geschmeidiger hätten wirken lassen. So wirkt der Rückblick deplaziert und eigentlich unnötig. Neben Supermans und Lois' neuerlichen Annährungen erleben wir, entgegen der Aussagen vieler anderer Quellen, natürlich auch reichlich Action.

Superman/Clark Kent könnte nicht besser besetzt sein. Newcomer Brandon Routh meistert beide Rollen mit Bravour und lässt das eine oder andere Déjà vu-Erlebnis aufkommen. Nie zuvor hatte die Rolle des Stählernen mehr Tiefgang als in Superman Returns durch Brandon Routh umgesetzt. Nicht nur das er Superman Legende Christopher Reeve sehr ähnlich sieht, das er ihn perfekt kopiert, Brandon spielt auch einen ganz neuen Superman, einen wesentlich ernsthafteren Clark Kent und sorgt dennoch, ganz ohne Slapstick-Einlagen, für den einen oder anderen Lacher. Leider kommt die Charakterentwicklung von Clark Kent etwas zu kurz.

Was? Die 23 jährige Kate Bosworth aus Blue Crush soll die toughe erfolgreiche Reporterin Lois Lane spielen und zudem Mutter eines 6-jährigen Sohnes sein? Das kann doch nicht Bryans Ernst sein?
Doch, ist es... und es ist unglaublich, denn Kate Bosworth spielt die Lois Lane, als hätte sie nie etwas anderes getan. Jederzeit nimmt man ihr die Rolle der fürsorglichen und erfahrenen Mutter ab. Und auch die wenigen Szenen in denen sie als rasende Reporterin unterwegs ist, wirken durchweg glaubhaft.

Bei Lex Luthor waren wir uns von Anfang sicher. Kevin Spacey wird Supermans Erzfeind Nummer Eins in einer nie dagewesenen Qualität mimen. Nichts gegen Gene Hackmans Interpretation, aber dieser Lex Luthor ist einfach noch viel genialer. Diabolisch charmant spielt Spacey, wie nicht anders zu erwarten, alle anderen locker an die Wand.

Fazit: Bryan Singers Superman Returns braucht sich weder vor Spider-Man I & II, Batman Begins noch den drei X-Men Filmen verstecken und ist damit, trotz der teilweise aufgewärmten Story, eine der gelungensten neuzeitlichen Superhelden-Comic-Verfilmungen.
 
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